Ich will mehr!

“Voglio di più - Ich will mehr!”, so beginnt der Refrain eines Liedes von Giovanotti. Er zählt dann auf, was er alles gerne will: ein Flugzeug, ein Schiff, ein Space-Shuttle, Muskeln, einen Posten als General der Carabinieri und so weiter. Was er im einzelnen will, ist natürlich nicht so wichtig. Manches versteht man vielleicht nur als Italiener. Aber die Grundhaltung kennen wir alle ganz gut.

Die griechischen Philosophen nannten sie Pleonexie - Mehr haben wollen - und beschrieben sie als eine Art von rastlosem Unglück, das dann entsteht, wenn unser Innerstes in Unordnung ist und wir keinen Zugang zu dem haben, was uns wirklich gut tut.

Wie finden wir heraus, was wirklich gut ist? Aristoteles beschreibt eine solche Erkenntnis des Guten als “Schmecken”. Es geht also darum, dass wir mit uns und unserem Leben umgehen wie ein guter Feinschmecker. Ein guter Feinschmecker stopft nicht gierig und wahllos alles in sich hinein, sondern ist aufmerksam auf jeden einzelnen Bissen und genießt ihn. Er merkt daher sofort, was gut ist und was nicht. Und wenn er ein echter Feinschmecker ist, spürt er auch, wann er aufhören muss, weil der Genuß schal wird.

Wie geht dieses Schmecken des Guten? Meiner Erfahrung nach gelingt uns dieses  Schmecken, wenn wir Zugang zu unserer Intuition, zu unserem Körper und unserem emotionalen Wissen gewinnen. In uns wissen wir ziemlich genau, was gut ist und was glücklich macht.

Das erfordert ein bisschen Zeit und Mühe… In welcher Stimmung bin ich, wenn ich diesen oder jenen Film gesehen habe? Wie fühlt sich mein Körper an, wenn ich dies oder jenes esse? Wie tief ist mein Glück über diese oder jene Anschaffung? Wie lang hält es an?

Welche Gefühle treiben mich dazu, dies oder jenes zu tun oder zu kaufen? Will ich das, was ich will, einfach um ein unangenehmes Gefühl zu vertreiben?

Und dann: Kann ich den Frieden spüren, der in mir wohnt? Bin ich in meinem Körper? In meinen Armen, meinem Beinen, überall….

Es geht nicht darum, sich etwas zu verbieten. Es geht darum, zu spüren, was ist, und sich auf Dinge auszurichten, die befriedigender sind als all das, was wir benutzen, um unsere innere Leere zu stopfen. Wenn wir das tun, werden wir mit der Zeit zufriedener, genussfähiger und - im Schnitt - genügsamer.


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