(K)ein Patentrezept für Ihre Partnerschaft?

Wenn wir uns mit jemanden streiten, ist uns meistens ganz klar, was der andere falsch gemacht hat und was er in Zukunft anders machen soll. Weit weniger klar ist uns meist, was wir zu dieser Situation beigetragen haben und was wir tun könnten, um den Streit zu entschärfen.

Das gilt natürlich auch für Konflikte in Ehe und Partnerschaft. Auch in einer Paarberatung sitzen sich meist zwei Menschen gegenüber, die die Fehler des anderen in und auswendig kennen und die genau sagen können, was der andere bitte schön tun möge. Im besten Fall gelingt auf dieser Basis eine Art Kompromiss nach dem Motto „O.K. ich mache oder lasse in Zukunft dieses oder jenes, wenn Du in Zukunft....“ Das ist natürlich dann besonders schwer, wenn es beim Streit um Gut oder Böse, Recht oder Unrecht geht.

Ein Nachteil solcher Kompromisse ist, dass beide darauf angewiesen bleiben, dass der andere sich verändert und seine Seite des „Deals“ einhält. Tut er das nicht, bricht der Streit sofort erneut aus – oder einer der Partner zieht sich resigniert zurück.

Um diese Abhängigkeit zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, einmal ganz anders vorzugehen: Anstatt nur mich und meine Sicht der Dinge zu verstehen – und den anderen für „unmöglich“ zu halten -, versuche ich dann, auch die Sicht des anderen zu verstehen. Ich muss ihm oder ihr ja nicht gleich recht geben, aber sie verstehen zu wollen, das wäre schon einmal ein guter Anfang.

Und anstatt zu fragen, was der andere tun kann, frage ich, was ich tun kann. Dabei kann ich an ganz verschiedenen Punkten ansetzen. Mannchmal macht es z.B. Sinn sich zu fragen: Wenn ich vom anderen dieses oder jenes nicht bekomme, gibt es denn nichts, was ich ihm oder ihr Gutes tun kann? Oft hat eine positiver Überraschung den Vorteil, dass sie den anderen dazu anregt, es dem Partner oder der Partnerin mit gleicher Münze heimzuzahlen – und ihm auch einen Gefallen zu tun.

Ich kann mich aber auch fragen, ob ich die Erwartungen, die ich an den Partner richte, nicht von jemand anderem erfüllen lassen kann, z.B. von mir selbst: Wenn er - oder sie :) - mir nie Blumen schenkt, warum kaufe ich mir dann selbst nicht welche? Das hat immerhin den Vorteil, dass mir der Strauß dann auch wirklich gefällt.

Ja, ich weiß, hier geht es weniger um Blumen sondern um einen Liebesbeweis. Aber vielleicht beweist mir der andere die ganze Zeit seine Liebe – und ich merke es noch nicht einmal? Vielleicht schenkt er oder sie mir ja keine Blumen sondern regelt für mich sämtliche Finanzangelegenheiten, die ich nun wirklich nicht gerne selbst erledige. Vielleicht hat sie ja keine Lust mehr, mit mir um die Häuser zu ziehen, aber sie hört mir Abend für Abend zu, wenn ich über Chef, Kollegen und Kunden schimpfe. Vielleicht behält sie dabei ihren eigenen Stress auf der Arbeit für sich. Überhaupt, wann habe ich mich das letzte Mal erkundigt, wie es ihr geht?

Es geht also auch um eine andere, umfassendere Sicht des Partners oder der Partnerin. Im Idealfall hat diese veränderte Sicht etwas mit Liebe zu tun, d.h. mit der Bereitschaft, den anderen wirklich zu sehen und ihn anzunehmen, so wie er oder sie ist – vielleicht nicht in jedem Detail, wir wollen ja nicht übertreiben – aber doch im Großen und Ganzen. Eine solche Sicht stiftet auch einen Frieden, den man mit reinen Kompromissen, so sinnvoll diese auch sein mögen, nicht erreicht. Dieser Friede basiert nicht auf einer Art Handel sondern auf Wohlwollen, Interesse und Zuneigung, auf Liebe eben.  


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