Angst

Angst und Unsicherheit gehören zu unserem Leben. Der Grad von Angst und
Verunsicherung aber, scheint mir, hat in den letzten Jahren und Monaten aus politischen Gründen
massiv zugenommen. Da gibt es langfristige Veränderungen wie
Globalisierung und Digitalisierung, die schon für sich verunsichernd
wirken.

Dazu kommen eher kurzfristige Ereignisse und Entwicklungen wie die
Finanzkrise und das drohende Ende des Euro, der zeitweilige Anstieg der
Flüchlingszahlen, der Brexit, islamistischer Terrorismus, hasserfüllte
Menschenmengen in Dresden und anderswo, die Wahl eines amerikanischen
Präsidenten, der sich ziemlich impulsiv und unberechenbar gibt und mal
eben den Einsatz von Atombomben zur Terrorbekämpfung erwägt.

Viele haben das Gefühl, dass die Welt aus den Fugen geraten ist. Und je
nachdem, wovor jemand am meisten Angst hat, ordnet er sich einem
bestimmten politischen Lager zu. Angst aber schlägt leicht in Wut und
Hass um. Daher steigt Versuchung, den jeweiligen Gegner hasserfüllt zu
bekämpfen. Nicht immer bleibt es bei bloßen Worten. Die daraus folgende
politische Zuspitzung und Lagerbildung wiederum sorgt für zusäzliche
Instabilität und Angst.

Und so wird es immer schwerer, massvoll zu bleiben und nicht in die
Angst- und Hass-Spirale einzusteigen.

Was aber können wir tun? Wie gehen wir sinnvoll um mit Angst und Hass?
Sicher nicht so, dass wir diese Gefühle in uns oder den anderen
verurteilen, unterdrücken oder lächerlich machen. Weit sinnvoller ist es
die eigene und die fremde Angst mit Ẃohlwollen und Güte zu betrachten –
und darauf zu warten, dass es innnerlich weiter und friedlicher wird.
Und dann, erst dann, gilt es zu fragen, was jetzt zu tun ist. Denn nur,
wenn die eigene Angst, der eigene Hass nicht mehr den Blick vernebeln,
ist fruchtbares Handeln möglich. Und nur dann ist es möglich, andere
Menschen nicht als Feinde zu sehen – und sie dadurch noch mehr zu
Feinden zu machen. Nur dann ist, vielleicht, doch Verständigung möglich.


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