Gelassenheit

Oft stellen wir uns das Leben idealerweise so vor: Wir setzen uns Ziele, die für uns Sinn machen oder uns Glück versprechen. Diese Ziele versuchen wir dann nach Kräften zu erreichen. Leider gelingt das nicht immer. Wenn es nicht klappt, dann muss man die Fehlerquellen analysieren und es beim nächsten Mal möglichst besser machen.
 
Neulich fiel mir allerdings auf, dass mit diesem Bild etwas nicht stimmt: Die meisten schönen Dinge in meinem Leben verdanken sich eher einem Zufall als meiner Planung. Oft ergab sich einfach eine gute Gelegenheit, die ich dann ergriffen habe. Oft wurde mich auch einfach etwas geschenkt, ohne dass ich mich anstrengen musste. Manchmal habe ich mich angestrengt und es kam etwas ganz anderes dabei heraus als gedacht. Der Plan ging nicht auf - und es war gut so.
 
In anderen Situationen habe ich mit viel Mühe das ein oder andere Ziel erreicht, nur um festzustellen, dass es mir weit weniger Freude gemacht hat als gedacht. Und nicht selten bin ich trotz aller Bemühungen schlicht gescheitert.
 
Vielleicht sollten wir es also dem Schmieden von Plänen und der Zielerreichung nicht übertreiben und uns öfter mal über gute Gelegenheiten und die Geschenke des Lebens freuen. Vielleicht brauchen wir uns manchmal gar nicht so sehr anzustrengen.

Vielleicht tut es uns gut, uns klar zu machen: Wir haben das Leben nicht im Griff – egal, wie wir uns um Kontrolle bemühen. Eine solche Ansicht muss nicht deprimierend sein, sie kann uns auch gelassen machen.

Überhaupt: Einmal angenommen, es wäre tatsächlich so wie in der Traumwelt des planenden Tatmenschen und alles hinge vollständig von uns selbst ab. Wäre das nicht ein Albtraum? Eine solche Welt wäre nämlich ziemlich gnadenlos: Du bist pleite? Na und, Deine Schuld! Du hast Krebs? Na, wie hast Du wohl gelebt, dass Du so schwer krank bist? So oder so ähnlich könnten wir dann zu allen sagen, die unter dem ein oder anderen Unglück leiden.

Außerdem: Wenn die Welt uns einfach so gehorchen würde, dann würden wir nicht im Dialog und in Auseinandersetzung mit einer unabhängigen Wirklichkeit leben. Alles, ja selbst die anderen Menschen, wären nur noch Material für unsere Planung. Wir hätten dann kein echtes Gegenüber mehr, d.h. keinen Menschen, der seine eigenen Ansichten und Interessen vertritt und deshalb auch einmal "Nein" sagt. Das aber bedeutet, wir wären unendlich einsam.


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