Klimakrise

Klimakrise

Bisher war der Wald oberhalb der Heidelberger Weststadt immer ein guter Ort, um sich zu erholen und die Schönheit des Waldes zu genießen. Diesen Sommer aber konnte ich den Wald nicht mehr betreten, ohne Schmerz und Wut zu spüren: Viele der Bäume waren durch die Dürre gestorben, andere stark geschädigt. Forstwissenschaftler erwarten, dass die Buchenwälder rund um Heidelberg nach und nach absterben werden.

Schmerz, Wut und Angst angesichts der ökologischen Krise kommen auch zunehmend in meinen Beratungen und Therapiesitzungen zur Sprache. Vor allem Menschen mit naturwissenschaftlicher Ausbildung und solche, die eine tiefe Verbundenheit mit der Natur spüren, leiden.

Andere fragen sich, ob es überhaupt Sinn macht, sich gegen die Naturzerstörung zu wehren. Ist es nicht zu spät angesichts der Probleme – und der Weigerung vieler Menschen, Parteien und Regierungen, etwas Wirkungsvolles unternehmen?

Was lässt sich dazu sagen? Wie kann man mit dieser Situation und den Gefühlen, die sie auslöst, umgehen? Zunächst sind diese Gefühle wichtig: Nur wenn uns die Natur, das Wohlergehen anderer Menschen und unser eigenes Leben irgendetwas wert sind, können wir leiden, wenn sie bedroht sind. Der Schmerz, die Wut, die Trauer zeigen, dass wir lebendig und mit anderen Lebewesen und uns selbst verbunden sind.

Und dann gilt, dass die Natur auch dann noch schön ist, wenn sie geschädigt ist. Auch diese vergehende Schönheit kann man wahrnehmen. Ich übe das seit Jahren mit dem Allgäuer Winter: Irgendwann wird von ihm nicht mehr viel übrig sein, und doch genieße ich jedes Jahr die schneebedeckte Landschaft.

Natürlich bleibt es außerdem sinnvoll, die Natur zu verteidigen, selbst wenn es manchmal so aussieht, als würde das alles nichts bringen. Manche Handlungen nämlich sind auch dann gut und sinnvoll, wenn sie keinen Effekt haben. Um ein sehr hoch gegriffenes Beispiel zu wählen: Die Mitglieder der Weißen Rose konnte nicht davon ausgehen, dass ihre Aktionen irgendeine Veränderung herbeiführen würden, und doch war es sinnvoll und schön, was sie getan haben. Wie viel weniger Grund haben wir heute, zu resignieren?

Außerdem ist es hilfreich, sich nicht ausschließlich auf die großen Probleme zu konzentrieren, die ein einzelner – oder auch Hunderttausende auf der Straße – nicht so ohne weiteres lösen werden. Zum Ausgleich tut es einfach gut, etwas zu tun, dessen Nutzen ich unmittelbar erleben kann und das mir obendrein noch Freude macht, irgendetwas überschaubares, konkretes.


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